Tania Integrated Rehabilitation Centre (Kenia)
Das Tania Integrated Rehabilitation Centre liegt etwa 40 km südlich von Nairobi, etwas außerhalb einer Kleinstadt namens Kiserian. Es bietet etwa 165 gehörlosen, körperlich und/oder geistig behinderten Kindern, Straßen- und Waisenkindern, Rettungsfällen aus Kinderheirat und Mädchenbeschneidung und anderen „Problemfällen“ zwischen zwei und 17 Jahren Heimat. Der Großteil dieser besucht das Center als Internat – eine Schule ist angeschlossen – doch ungefähr 20-30 Waisenkinder leben dauerhaft auch während der Ferien in Tania.
Das Projekt
Wie man schon durch den Namen erkennt, ist das Ziel von Tania die (Wieder-)Eingliederung der Kinder in die kenianische Gesellschaft. Dies geschieht vor allem durch eine Grundschulbildung, die, wie überall in Kenia die erste bis achte Klasse einschließt. Daneben sollen aber auch praktische Fähigkeiten wie Haus- und Feldarbeit oder Gebärdensprache für Gehörlose vermittelt werden. Darüber hinaus versucht sich Tania noch um eine Zukunft der Ehemaligen zu kümmern: Für geeignete Schüler gibt die Leitung ihr Bestes, einen Platz in einer High School und einen Sponsor, der das ermöglicht, zu finden. Aber auch bei anderen Absolventen sehen die Mitarbeiter zu, dass sie zumindest bei Verwandten gut untergebracht sind.
Gegründet wurde das Tania Center im Jahr 2000 von einem pensionierten Ehepaar, den Kigundas, die dafür ihr Leben in Karen, einem Luxusvorort Nairobis, aufgaben und fortan alle Mittel in das Projekt stecken. Trotzdem wäre es nie möglich gewesen, das Projekt zu gründen, hätte nicht ein alter Maasai das Land für die Schule gespendet. Die Familie Kigunda ist übrigens auch die beste Gastfamilie, die sich die vielen internationalen Freiwilligen nur wünschen könnten.![]()
Finanziert wird Tania hauptsächlich durch Spenden. Die meisten davon kommen direkt aus Kenia, doch auch für jeden Cent aus dem Ausland ist das Projekt dankbar. Als private Schule erfährt das Center nämlich keine Unterstützung durch den Staat, und das merkt man. Oft fehlt es an elementaren Sachen wie Stiften oder Heften, durch die Klassenzimmer pfeift der Wind, die Lehrer warten oft monatelang auf ihr Gehalt, weshalb, wie an vielen privaten Schulen, ein reges Kommen und Gehen. Auch die Motivation der Lehrer ist oft mal niedrig, durchaus verständlich wenn man für sehr wenig Geld wegen Lehrermangel auch mal zwei Klassen auf einmal unterrichten muss. Die Bücher sind alt und abgenutzt, zu wenig und nicht auf dem neuesten Stand, was den Lehrplan angeht. Das merkt man in den Ergebnissen der staatlichen Examen.
Auch im Heim fehlt es an allem möglichen: Seit die beiden besten Milchkühe an Maul- und Klauenseuche gestorben sind, gibt es nur noch einmal pro Tag eine Tasse Tee mit einem winzigen Schuss Milch. Das Feuerholz zum Kochen muss gekauft werden, obwohl Tania eigentlich eine Biogasanlage hätte. Für diese reicht aber der Dung der Kühe nicht. Oft müssen die Kigundas sogar Schulden machen, um die Grundnahrungsmittel für die Kinder zu besorgen.
Trotz aller Probleme war das Projekt jedoch mein Freiwilligenjahr über ein wunderbares Heim mit einzigartigen Menschen, seien es die Kinder, die Angestellten im Heim, die Lehrer, unsere Gastfamilie oder alle anderen, die irgendwie zu Tania gehören. Die Liebenswürdigkeit und Offenheit, die von allen ausgeht, hat es mir schwer gemacht, das Center zurückzulassen. Die Zeit, die ich dort verbracht habe, war eine Zeit voller großartiger Erfahrungen, die mich das Projekt nie vergessen lassen werden und mich motivieren, mich auch in Zukunft als Mitglied der „Tania Family“ zu sehen und das Center weiter zu unterstützen.
Aktueller Spendenbedarf
Aktuellen Bedarf an Spendenmitteln sehe ich einmal im Alltag: Es fehlt an Stiften, Heften, Essen, Feuerholz, Kleidung, Schuhe oder Geld für medizinische Versorgung. Leider fällt mir jedoch dazu keine wirklich nachhaltige Lösung ein, da diese Dinge eben andauernd benötigt werden. Daneben bräuchte die Tania School unbedingt neue Bücher, da die momentanen zu alt (sowohl äußerlich als auch vom Inhalt) sind. Das erschwert das Lernen und verschafft der Schule einen großen Nachteil in den Abschlussexamen. Allerdings wurden gerade durch Spenden zumindest neue Bücher für die achte Klasse sowie ein Exemplar pro Klasse für den Lehrer bei den niedrigeren Jahrgängen besorgt.
Die oben beschriebenen alltäglichen Ausgaben würde die Leitung von Tania gerne durch Projekte in Griff kriegen, die an anderer Stelle Geld einsparen. So liegt der Gedanke einer alternativen Energiequelle schon lange in einer Schublade, da konnten unsere Vorgänger und wir auch schon ein bisschen Spenden sammeln, allerdings noch nicht genug. Darüber hinaus fehlt dem Center das Know-how, sich zwischen Solarzellen und einem Windrad zu entscheiden. Der Ort, an dem das Projekt liegt, ist sehr windig und für Kenia sehr kalt, aber braucht ein Windrad vielleicht mehr Wartung?
Auch bereits begonnene Projekte scheitern immer wieder am Geld: Tania hat eine Biogasanlage, doch die vorhandenen Kühe produzieren nicht genug Dung um die Schule vom Feuerholz unabhängig werden zu lassen. Mit dem Bau eines neuen Mädchenschlafsaals wurde begonnen, um die Schülerinnen aus dem kalten Wellblechgebäude herauszubringen, allerdings wurde der Grundstein vor den Ausschreitungen nach der Wahl 2007 gelegt und die Preise für Baumaterialien sind danach inflationär gestiegen. Das Selbe gilt für eine Essenshalle, momentan drängen sich die Kinder bei Wind und Wetter unter einem Baum zusammen.
Fabian, Freiwilliger 2009/10
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